Schuleingangsuntersuchung

Schuleingangsuntersuchung

In Deutschland kommen die Kinder mit ungefähr sechs Jahren in die Schule. Der sogenannte Stichtag der Einschulung war bis 1997 deutschlandweit einheitlich. Kinder, die bis zum 30. Juni sechs Jahre alt geworden sind, durften eingeschult werden. Der Stichtag ist mittlerweile von Bundesland zu Bundesland anders. Aktuell befinden sich die Tage zwischen dem 30. Juni und dem 31. Dezember.

Stichtage deutschlandweit:

Bevor ein Kind eingeschult wird, muss es zu einer Schuleingangsuntersuchung. Aber was passiert bei der Schuluntersuchung genau? Wer führt diese Untersuchung durch und was wird abgefragt und getestet?

Was ist die Schuleingangsuntersuchung?

Klar, Kinder freuen sich meistens auf die Schule. Aber mit der Schule kommen auch Leistungs- und Lernbereitschaft sowie Disziplin auf die Kleinen zu. Und dafür müssen sie bereit sein. Ob ein Kind diese Motivation und den Entwicklungsstand hat, wird in der Schuleingangsuntersuchung festgestellt. Deshalb werden Schuleingangsuntersuchungen vor der Einschulung anberaumt. Bei der Einschulung wird meist der Nachweis über diese Schuluntersuchung verlangt. Üblich ist die Schuluntersuchung zwar deutschlandweit, aber sie ist in jedem Bundesland anders definiert und unterscheidet sich in Durchführung und Umfang. Sinn der Schuleingangsuntersuchung ist es, festzustellen, ob das Kind für die Schule bereit ist oder gegebenenfalls eine spezielle Förderung benötigt. Somit ist die Untersuchung nichts Schlimmes. Sie soll den Kids nur ermöglichen, sich in der Schule bestmöglich Wissen anzueignen. Die Schuleingangsuntersuchung, kurz S1 oder SEU, wird – je nach Bundesland – auch Einschulungsuntersuchung, kurz ESU, genannt.

Wann findet die Schuleingangsuntersuchung statt?

Die Untersuchung findet vor der geplanten Einschulung statt. In der Regel in der Zeit zwischen der Schulanmeldung und der Einschulung. Der genaue Termin kommt meistens per Post oder wird in den Kindertagesstätten verteilt. Für die Terminvergabe zuständig ist das Gesundheitsamt oder die jeweilige Schule, in der das Kind eingeschult werden soll.

Benötigte Unterlagen, Ort und Dauer der Untersuchung

Je nach Bundesland findet die Schuleingangsuntersuchung in den Gesundheitsämtern, in der jeweiligen Schule oder in der Kindertagesstätte statt. Die Anwesenheit der Eltern ist wichtig. Die Ärzte stellen gegebenenfalls Fragen zum Kind und möchten in der Regel die ersten Ergebnisse direkt mit den Eltern besprechen. Die Eltern müssen das gelbe Vorsorgeheft ihrer Kinder sowie den Impfpass dabei haben. Eine normale Schuleingangsuntersuchung dauert nicht länger als 30 bis 45 Minuten.

Wer führt die Schuleingangsuntersuchung durch?

Die Untersuchung führen erfahrene, geschulte Ärzte durch, die von den Gesundheitsämtern der Stadt bestellt werden. Ausgewählt werden diese von den Kinder- und Jugenddiensten des jeweiligen zuständigen Gesundheitsamtes. Die Ärzte sind darauf geschult, zu beurteilen, ob die Kinder sich altersgemäß entwickelt haben und dem schulischen Alltag gewachsen sind. Sie stellen auch fest, ob die Kinder besondere Unterstützung oder Förderung in der Schule benötigen.

Was passiert bei der Schuluntersuchung?

Die große Frage ist, hat sich das Kind seinem Alter entsprechend entwickelt und ist es bereit für die Schule? Untersucht bzw. beobachtet werden das Verhalten des Kindes, die körperliche Untersuchung, aber auch verschiedene Tests über die geistige und motorische Entwicklung. Die Ärzte gehen dabei spielerisch vor und beobachten viel. Je nach Bundesland sollen die Kinder zum Beispiel bis zehn zählen, ihren eigenen Namen schreiben, etwas Bestimmtes malen, Unterschiede in Bildern, Farben und Formen erkennen, sich kurze Sätze merken und sprachliche Laute korrekt wiedergeben können. Anhand kleiner, kurzer Übungen wird so der Entwicklungsstand des Kindes betrachtet und bewertet. Zu den körperlichen Tests gehören kleine Übungen, wie das Hüpfen auf einem Bein, auf einer Linie gehen können, Seh- und Hörtest. Auch die Beobachtungen im Alltag spielen eine Rolle. Ist das Kind viel draußen, pflegt es bereits soziale Kontakte? Kann es sich in Gruppen einfügen und auch Rückschläge schon verarbeiten? All das ist wichtig für die Schuleingangsuntersuchung. Diese und ähnliche Tests und Aspekte spielen bei der Untersuchung eine Rolle.

Diese Fragen werden u.a. in der Untersuchung beantwortet:

  • Hat das Kind Lust auf die Schule und das Lernen?
  • Kann sich das Kind in eine Gruppe einfügen?
  • Hat das Kind Selbstvertrauen und ist emotional stabil?
  • Kann sich das Kind auf eine Aufgabe konzentrieren?
  • Wie sind die sprachlichen Fähigkeiten entwickelt?
  • Ist die körperliche Entwicklung altersentsprechend? (Gewicht, Größe, Hören, Sehen, Motorik, Geschicklichkeit)

Welche Fragen könnten auf die Eltern zukommen?
Während die Kinder bestimmte Aufgaben und Tests absolvieren, werden auch die Eltern zu ihren Sprösslingen befragt. Diese drehen sich vor allem um den Alltag, Besonderheiten, Auffälligkeiten und die Entwicklung, die die Eltern beobachten können. Auch spielen die Krankheiten oder gesundheitliche Einschränkungen (z.B. Allergien o.ä.) eine Rolle. Oft wird mit der Einladung zur Schuleingangsuntersuchung auch ein Fragebogen mitgeschickt, den die Eltern ausfüllen müssen. Viele Städte haben die Elternfragebögen auch auf ihren Internetseiten zum Downloaden, so dass sich die Eltern schon mal auf die anstehende Untersuchung und Befragung vorbereiten können und entspannter an die Sache herangehen können.

Die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung werden im Anschluss gleich mit den Eltern besprochen. Hierbei wird auch offen gelegt, ob und worin das Kind eine bestimmte Förderung und Unterstützung benötigt. Das Ergebnis der Untersuchung wird auch der Schule mitgeteilt, in die das Kind eingeschult werden soll. An die Lehrer wird das Ergebnis nur mit ausschließlichem Einverständnis der Eltern weitergegeben.

Wann ist das Kind schulreif?

Die Schulreife ist ausschlaggebend dafür, ob das Kind eingeschult werden kann. Bei der Schuleingangsuntersuchung stellt man fest, ob das Kind körperlich und geistig fit für die Schule ist. Da jedes Kind anders ist, kann es keine eindeutige Antwort auf die Frage nach der Schulreife geben. Aber es gibt verschiedene Aspekte und Richtlinien, an die man sich grob halten kann.

Wann ist die Schulreife gegeben?

  • bei guter Konzentrationsfähigkeit
  • wenn das Kind altersentsprechend fehlerfrei sprechen kann
  • wenn das Kind altersentsprechend motorische und körperliche Fähigkeiten aufweist
  • wenn das Kind eine Weile still sitzen kann
  • wenn das Kind Geschichten oder Sätze nacherzählen kann
  • wenn das Kind einfache Formen, Zahlen und Buchstaben schreiben bzw. nachmalen kann
  • wenn das Kind sicher im Umgang mit Bastelutensilien ist
  • wenn das Kind in der Lage ist, sich selbstständig an- und auszuziehen
  • wenn das Kind alleine auf die Toilette gehen kann

Rückstellung von der Schulpflicht

In Deutschland gibt es ab einem bestimmten Alter die Schulpflicht. Eher selten ist die Rückstellung eines Kindes vom Schulbesuch. Das heißt, das Kind kann später eingeschult werden. Das ist dann gegeben, wenn das Kind noch nicht altergemäß entwickelt oder noch zu unreif für die Schule ist. Für eine Rückstellung gibt es bestimmte Voraussetzungen. Eine ist das Alter. Wenn das Kind zum Stichtag noch nicht sechs Jahre alt geworden ist, wird es noch nicht eingeschult. Auch können Erzieher der Kindertagesstätte feststellen, ob ein Kind Entwicklungsrückstände aufweist. Dafür werden Berichte geschrieben. Wenn ein weiteres Jahr in der Kita empfohlen wird, ist auch das ein Grund für die Rückstellung. Und natürlich kann auch bei der Schuleingangsuntersuchung festgestellt werden, dass das Kind noch nicht reif genug für die Schule ist.

Förderung und Unterstützung

Bei der Schuleingangsuntersuchung wird auch festgestellt, ob das Kind in bestimmten Dingen Förderung und Unterstützung braucht. Das kann bei Kindern mit bestimmten Behinderungen oder chronischen Krankheiten der Fall sein, aber auch bei Kindern, die nur in bestimmten Aspekten Entwicklungsrückstände aufweisen. Eltern haben dann verschiedene Möglichkeiten. Wenn sie ihre Kinder nicht auf eine gängige Grundschule schicken möchten, haben sie die Wahl zwischen Integrationsschulen, Förder- und Sonderschulen. Diese Schulen sind dafür gemacht, Kinder mit bestimmten Einschränkungen bestmöglich zu fördern. Der behandelnde Arzt der Schuleingangsuntersuchung kann hierzu auch Empfehlungen geben und die Eltern helfend beraten. Auch Fachkräfte in den Kindertagesstätten können hier beratend zur Seite stehen. Sinnvoll ist es auch immer, die Schulen zu vergleichen und sich selbst ein Bild vor Ort zu machen.

“Muss-„ und „Kann-Kinder“

Es gibt sogenannte „Kann-Kinder“. Ein „Kann-Kind“ ist zum jeweiligen Stichtag noch keine sechs Jahre alt, liegt aber nahe dran und kann gegebenenfalls schon eingeschult werden. Ein „Muss-Kind“ ist zum Stichtag schon sechs Jahre alt und ist laut Schulgesetz schulpflichtig, solange es die nötige Reife hat.

Weshalb Eltern keine Angst vor der Schuleingangsuntersuchung haben sollten

Eine Schuleingangsuntersuchung wird in der Regel nichts zu Tage fördern, was nicht ohnehin schon bekannt ist. Eltern und auch Erzieher in der Kindertagesstätte kennen die Kinder und wissen, wo es Defizite, Schwächen und Stärken gibt. Auffälligkeiten sollten bereits bekannt sein. Die Schuleingangsuntersuchung dient nur als weitere Kontrolle und Einschätzung. Das hilft vor allem den Kindern. Stellt der Arzt bei der Schuleingangsuntersuchung gravierende Entwicklungsverzögerungen fest, gibt es die Möglichkeit der Rückstellung oder besonderen Förderung der Kinder. Sicherlich ist es immer schön, wenn das eigene Kind gemeinsam mit Gleichaltrigen aus demselben Jahrgang eingeschult wird. Aber am Ende sollte kein Kind eingeschult werden, wenn es in körperlicher, geistiger und sozialer Sicht noch nicht bereit dazu ist. Deshalb sollten sich Eltern vor der Untersuchung wirklich keine Sorgen machen, sondern das Ganze als Chance und notwendige Maßnahme ansehen. Dann gehen auch die Kinder entspannter an die Untersuchung heran und lassen sich nicht von den Sorgen ihrer Eltern mitreißen.

Ersetzt die Schuleingangsuntersuchung auch die U9?

Die Früherkennungsuntersuchung, kurz U9, hat mit der Schuleingangsuntersuchung nichts zu tun. Manche Eltern irren sich, wenn sie denken, eine Untersuchung reiche. Beide Untersuchungen finden in der Regel innerhalb eines bestimmten Zeitraums, nah beieinander, statt. Inhaltlich unterscheiden sich die Untersuchungen aber. Die U9 wird wie alle U-Untersuchungen beim Kinderarzt durchgeführt. Hierbei sollen Gesundheits- und Entwicklungsstörungen frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. Bei der Schuleingangsuntersuchung hingegen geht es um die Entwicklung und Reife hinsichtlich der bevorstehenden Einschulung. Sicherlich spielt auch hier die Gesundheit des Kindes eine Rolle, aber untersucht wird vorrangig die soziale, körperliche und geistige Entwicklung hinsichtlich eines bevorstehenden Schulbesuchs.